Nichts, was im Leben glücklich macht

Ich liege weinend auf meinem Bett und grabe mich verzweifelt in das Kopfkissen. Ich kann nicht mehr. Stelle mal wieder alles in Frage. Wer bin ich? Was tue ich hier überhaupt? Macht das hier alles noch Sinn? Warum, scheiße verdammt noch mal bekomme ich denn keine Antwort darauf?! Hallo, hört mich denn niemand? Drin, draussen, keine Ahnung, irgendjemand? -Ich werde noch verrückt! 

Meine Dämonen erheben sich erneut über mich. Ernie habe ich meinen inneren Kritiker mal liebevoll genannt. Doch daran denke ich im Moment nicht. Das kann doch nicht sein. Nicht jetzt. Ich hatte doch den besten Plan der Welt.

Mir ging’s doch super. – Bis heute Morgen.

Ich wollte doch diese Zeit nutzen, um mein Image komplett auf den Kopf zu stellen. Meine andere Seite zu zeigen. Ich habe Fotos gemacht, mich extra schick dafür inszeniert. Die besten Artikel für meinen neu eröffneten Blog geschrieben. 5 Gründe, warum du nicht auf deine Freunde hören solltest oder 5 Gewohnheiten, die dich deine Ziele kosten. Jetzt kann ich endlich raus gehen und werde gesehen, als die sexy, starke und selbstbewusste Frau, die ich schon immer sein wollte und noch dazu saugute Tipps fürs Leben gibt. 

Und jetzt? Was ist auf einmal los? Warum feiere ich das nicht mehr? Endlich gehe ich raus. Zeige mich. So, wie ich gesehen werden will. Ich bin doch unaufhaltbar. „Glaubst du dir eigentlich selber den Scheiß, den du dir erzählst? – Bist du sicher, dass das dein Weg ist? Tipps fürs Leben geben? Komm doch selber erstmal klar. Dazu machst du ein auf Super Woman, wer soll dir das abnehmen?“ Gebe ich der Stimme jetzt Bedeutung oder quatscht sie mir mal wieder grundlos dazwischen, will mir alles ausreden, damit ich nicht weiter komme im Leben?

Doch dieses mal hat sie recht. Ich fühle nichts. Mein Herz bleibt kalt. Obwohl schreiben mich doch so glücklich macht. Jetzt quäle ich mich nur noch durch die Texte. Ich mache Fotos, 1000 Stück. Vor dem Regal, in der Küche, mit und ohne ein Buch in der Hand, mit Lippenstift, ohne Lippenstift. Weiß nicht, wofür eigentlich. Das bin ich nicht. Das fühl ich einfach nicht. Es ist anstrengend.

Nach und nach wache ich auf, aus diesem Alptraum. Nur, dass es keiner war. Es war die Stimme meines Herzens, die mich hat gegen die Wand schmettern lassen. Ein liebevoller Seelenarschtritt, der mich wecken wollte. Der immer lauter wurde, weil ich nicht gehört habe. Ich war nicht mehr auf meinem Weg. Ich jagte irgendwelchen Menschen hinterher. Die erfolgreicher, schöner und viel angesehener waren, als ich.

Ich bin wieder mal in die Vergleichsfalle getappt und wollte jemand anderes sein. „Das passiert mir nie wieder!“ Schon klar und es passiert wieder. Es passiert mir ständig. Ich sitze fest. Dazu jetzt auch noch der fehlende Liebesentzug. Seit Wochen keine Berührung, keine Umarmung, keinen Kuss, niemand der meine Haut streichelt. Wer sollte mich jetzt auffangen? Wie soll das gehen? – Naja, durch mich selbst natürlich.

Denn dieser Tiefschlag war nicht nur der Weckruf, dass ich auf dem Holzweg unterwegs war und endlich mal wieder zu Sinnen kommen sollte. Es war die größte Einladung dazu, mir selbst die Liebe zu schenken, die ich brauchte. Mich zu umarmen, zu küssen, meine Schultern. Mich selbst zu streicheln und zu berühren, mein Gesicht, Arme und den ganzen Körper. – Mich wieder neu zu entdecken. 

Was bewegt mich? Der blutrote Himmel am Morgen, wenn die Sonne aufgeht oder das zwitschern der Vögel beim Waldspaziergang.

Was waren nochmal meine Träume? Ich mag Menschen und möchte sie berühren. Ob mit meinen Worten oder Taten, egal.

Für was bin ich dankbar? Für mein Leben, meine Gesundheit und dass es meiner Familie und Freunden gut geht.

Was kann ich meinem Körper heute gutes tun? Eine neue Sporteinheit ausprobieren oder einfach nur wild durch die Wohnung tanzen. Eine bunte Gemüsepfanne kochen und sie genüsslich bei Kerzenschein verspeisen.

Es gibt viele Dinge, die mir einfallen würden. Diese besondere Zeit lädt wieder zum Träumen ein und uns die wichtigen Fragen fürs Leben zu stellen. 

Bei einem Interview von Lars Amend wurde ich erneut geweckt. Er erzählte über seine Geschichte und wie sehr er sich für Menschen interessiert. Sich gut in sie hinein fühlen kann. Eine schnelle Connection zu ihnen aufbaut. Das war es. Das war mein Wachrütteln. Diese Seite an mir, meine Sensibilität, die mir schon immer unangenehm war. Die ich verstecken wollte, mich dafür schämte und ich sie einfach nicht haben wollte. Deswegen wollte ich mich doch so stark und so sexy nach aussen hin zeigen. 

Diesen Teil von mir, habe ich durch die Worte von Lars, dass er es als Geschenk gesehen hat, erst verstanden. In diesem Moment, hielt ich mich weinend in den Armen und nahm meine sensible Seite voll und ganz an. Ich konnte es nicht glauben. Zum ersten mal in meinem Leben begriff ich, dass es ein riesiges Geschenk war, welches ich in mir trug.

„Wenn du herausfindest, dass an der dunklen Seite nie etwas war, vor dem du dich fürchten müsstest, bleibt nichts, außer Liebe.“ – Alan Watts.

Aus diesen zwei sich ergänzenden Situationen habe ich eines am meisten gelernt. Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Du bist du und niemand anderes. Mit all deinen Facetten. Liebe dich. Umarme dich. Feier dich. Jeden Tag – ohne Grund, einfach so! Für den Menschen, der du bist. Das ist genug. Du bist genug. Du bist okay, so wie du bist.

Schenke dir selbst all die Liebe, die du auf dem Weg verpulvert hast, nur um anderen zu gefallen. Verschwende all diese Liebe an dich. Verprasse sie an dich. 

Wenn ich mir vorstelle, ich bin alleine, also bin ich ja auch. Aber wenn ich mir vorstelle, ich bin ganz alleine, ohne irgendetwas hier. Ohne irgendein Möbelstück, ohne Küche, ohne Bücher, ohne Stühle, Tische, Kissen, Pflanzen, egal was. Eine komplett leere Wohnung. Holzboden und weiße Wände. Ich wäre der glücklichste Mensch der Welt. Ich habe immer alles bei mir, damit es mir gut geht. – Mich.

Denn nichts und niemand anderes auf der Welt, macht dich im Leben glücklich. Das schaffst nur du selbst.

Wer bist du, ohne den ganzen Bullshit im Kopf? Schreib es in die Kommentare.

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Einfach aus Liebe

Deine Steffi

14.07.20

Foto: Tobi

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