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Ich schaffe es, ich schaffe es nicht...

Achtung! Triggerwarnung! Für Menschen, die an Depressionen oder depressiven Verstimmungen leiden, lesen auf eigene Gefahr.

Menschen, die mich kennen, würden mich als lebensfroh, positiv und energievoll beschreiben. Jemanden, mit dem man gerne Zeit verbringt. Ja, das stimmt auf der einen Seite. Auf der anderen, trage ich immer noch tiefste Traurigkeit mit mir rum.

Lange war es ein anstrengendes Leben, diese Frohnatur aufrecht zu erhalten, bis nix mehr ging. Nach ewiger Depression, jahrelanger Therapie und ständigen analysieren, dachte ich, es sei geschafft. Doch der Schein trügt. In letzter Zeit kommen immer wieder Episoden, die mich zweifeln lassen und Ängste, die wieder stärker werden. Es ist einerseits ein Druck den ich mir selbst mache, dass ich immer weiter an mir arbeiten muss, um nie wieder dahin zurück zu kommen. Andererseits ist der Druck zu hoch und lässt alles wieder in sich zusammen fallen, ich kann einfach nicht mehr. 

Als würde ich dieses Spiel immer und immer wieder spielen. Wie ein Bergsteiger, der immer höher klettert und dann, schnipp schnapp, das Seil ist durch und ich prall schneller unten auf, als ich gucken kann. Ein ständiges hin und her. Zwischen ich schaffe es und ich schaffe es nicht.

Im Moment bin ich wieder am tiefsten Punkt angekommen. Seit Tagen schaffe ich es nicht zu duschen, geschweige denn das Haus zu verlassen. Ich stinke, ich ekel mich vor mir selbst. Der Geruch erinnert mich an einen Obdachlosen, den ich öfters in der U-Bahn beim Betteln gesehen habe. 

Natürlich weiß ich, dass es mir gut tun würde, doch in diesen Tagen sind es unüberwindbare Hürden. Eine Überweisung muss ich noch machen, ein paar Nachrichten beantworten und nach und nach häufen sich immer mehr Kleinigkeiten an, zu einem riesigen Berg. Alles wird mir zu viel und ich verkrieche mich noch mehr. Die Angst wird dadurch natürlich noch größer. Niemals mehr ein normales Leben zu führen und damit einfach klar kommen zu müssen. An große Ziele denken, in diesen Tagen unvorstellbar.

Auch wenn ich jemand bin, der sehr viel Tipps für andere übrig hat und gerne weiter hilft, funktioniert das für mich selbst nie, wenn ich mitten drin stecke. Klar, könnte ich jemanden anrufen, der mir zu hört. Selbst das ist für mich nicht zu schaffen. Warum ich es trotzdem schaffe diesen Artikel zu schreiben? – Kann mir einer das Leben erklären?

Es ist alles nur in meinem Kopf, das weiß ich doch und ich kann die Stimmen beobachten. Trotzdem fühle ich mich wie der letzte Versager, der sein Leben nicht auf die Kette bekommt. Wenn ich in der Scheiße stecke, sehe ich nichts, was mir helfen könnte. Und selbst wenn, habe ich nicht die Stärke, das umzusetzen. Auch wenn es die kleinste Kleinigkeit ist, wie Zähne putzen oder ein Glas Wasser trinken. Es geht einfach nicht.

Schon klar, jammern auf hohem Niveau. Ich fühle mich noch mehr schuldig, was ich da eigentlich mir und meinem Körper antue, bringt mich in dem Moment natürlich auch nicht weiter. Noch mehr negative Meinungen, von mir an mich, kann ich gerade echt nicht gebrauchen.

Ursprünglich habe ich mich entschieden Ende letzten Jahres meinen Job zu kündigen, alles aufzugeben, um Reisen zu gehen. Naja, das hab ich als letzten Ausweg gesehen, weil ich einfach nicht weiß, was ich will und vielleicht ergibt sich was auf dem Weg. Und das mit 33, wie traurig, hämmer ich nochmal selber auf mich ein. Klar, dass ich gerade so negativ denke, hab keinen klaren Kopf. An guten Tagen wäre das ein: Mega geil, dir stehen alle Türen offen, du kannst einfach machen, worauf du Bock hast. – Yes, yes yoa.

Dazwischen ist es für mich immer von Strohhalm zu Strohhalm greifen. Irgendwie muss es ja weiter gehen und den Kopf in den Sand stecken und zu jammern, bringt ja eh nix. Klappt mal besser, mal weniger gut. Solange ich Spaß an dem habe, was ich tue, ist doch alles ok. Ja, irgendwie schon, aber wie kann ich gerade Spaß, Geld verdienen und mir ein schönes Leben aufbauen verbinden? Krieg ich grad nicht auf die Kette. Reden wir nächste Woche nochmal drüber, da schau ich wieder durch meine rosa Brille und kann alles schaffen, was ich mir vor nehme. 

Hey, morgen, übermorgen sieht die Welt schon wieder anders aus. Na klar, dieses blöde Gefühl wird vorbei gehen. Ein bisschen Angst bleibt trotzdem zurück. Was ist wenn das nie vorbei geht? Wie fühlt sich überhaupt ein normaler schlechter Tag an? Ich weiß es nicht, hab kein Vergleich, weil ich es nicht anders kenne. Sage ich jetzt.

Dazu fühle ich mich wie eine elendige Horchlerin. Wie kann ich nur anderen mit guten Ratschlägen zur Seite stehen und selbst bekomme ich es nicht mal hin mich zu waschen. Wie ein kleines Kind, das wirklich nichts alleine hin bekommt. 

Lange war ich auf einem guten Weg, mit Freude auf die Zukunft und Bock meinen Traum als Schauspielerin zu verwirklichen. Oft denke ich daran, dass es wie ein Suchtkranker ist, der jederzeit wieder rückfällig werden kann. Aufpassen, die Gefahr lauert überall. Mein Mindest stärke ich an den guten Tagen, damit ich an den schlechten nicht so tief falle. Klappt aber nicht immer.

Und wieder stellt sich die Frage, lasse ich mich wieder einweisen oder doch nochmal Hilfe suchen? Eine andere Therapieart ausprobieren? Das ist mit viel Aufwand verbunden und wenn alles gut ist, denke ich sowieso nicht mehr darüber nach. Bis mich der Schlag erneut trifft. Ach, hätte ich mich doch schon früher darum gekümmert. Nee, ist jetzt halt so. 

Wie meine Gedanken manchmal auf mich einschlagen. Keine netten Worte sind dabei. Oft nur Vorwürfe und Erniedrigungen. Das macht mich dann noch trauriger, wenn ich dem Glauben schenke und es nicht schaffe, mich davon zu distanzieren. Wie wäre es mal mit aufbauenden, ermunternden Worten, die mir helfen würden. Gemeinsam sind wir stark, heißt es doch so schön. Na klar, es liegt in meiner Hand. Doch oft fühle ich mich alleine, verlassen, nicht gewollt, wertlos. – Immer noch. Obwohl ich doch schon so viele Jahre an mir arbeite, dass es mir gut geht und ich mich wohl fühle. 

Tja, das gehört irgendwie dazu. Von ein auf die andere Sekunde mich selbst zu zerstören. Der innere Kampf geht weiter. Schaffe ich es oder schaffe ich es nicht? 

Ich glaube nach wie vor daran, dass es möglich ist. Schliesslich kann ich jetzt auf halber Strecke nicht einfach aufhören. Habe mich doch bereits für den Weg entschieden. Also aufstehen, sauber machen, Krönchen richten und weiter gehts. Zur Not hilft auch ne Runde im See schwimmen, um den Kopf abzukühlen.

Nachtrag: Ein paar Tage später ist fast nix mehr davon zu sehen, ich bin wieder gestärkt und fokussiert verfolge ich meine Ziele. – Das Leben ist eine Achterbahnfahrt.

Falls ihr Menschen kennt, die Depressionen haben, könnt ihr immer wieder eure Hilfe und Unterstützung anbieten. Im Endeffekt kann sich nur der Betroffene selbst dafür entscheiden sie anzunehmen. Sich einzugestehen, dass es alleine nicht zu schaffen ist, ist der erste wichtige Schritt.

Wie sieht es bei dir aus, stellst du selbst manchmal alles in Frage?

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Deine Steffi

22.05.20

Foto: Emmylou

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