shopping

Everyday is Shopping Day

Früher war das tatsächlich so. Ou man, wieviel unnütze Klamotten habe ich geshoppt?! Einfach nur, weil es im Angebot war und teilweise auch Sachen, die noch nicht mal passten.

Hauptsache kaufen. – Und sich ein bisschen besser dadurch fühlen. Kauf dich glücklich eben. Naja, so bewusst war mir das noch nicht, dass ich dachte, damit geht es mir besser.

Durch die ganze Depression hindurch war kaufen etwas, wodurch ich die Lücke der Liebe schliessen wollte. Jede Woche neue Schuhe, Oberteile, Taschen, Gürtel, Schmuck, obwohl ich gar nicht der viel Schmuckträger war. Teilweise das selbe Modell in drei verschiedenen Farben. – Was für eine Konsumsau ich war. Auch Dekokrams, Möbel, es war kein Ende in Sicht.

Der Höhepunkt des ganzen war kurz nach meiner Entlassung aus der Psychiatrie. Da hatte ich mich für eine Eigentumswohnung in der Innenstadt entschieden. Diese war gerade in der Planung, also es sollte noch über ein Jahr vergehen, bis ich dort einziehen konnte. Kaufpreis, so viel wie ein Einfamilienhaus, sehr sehr viel Geld also.

Ich habe mich schon darin wohnen sehen. Mit einem begehbaren Kleiderschrank, Bad en suit und einem großen Wohnraum. Ja irgendwie war das alles so viel Geld, dass ich hätte den Kredit wahrscheinlich bis zur Rente abbezahlen müssen.

An Urlaub zwischendurch wäre gar nicht mehr zu denken. Meine Blauäugigkeit hatte ich das alles zu verdanken. Welche ich übrigens sehr mag, dadurch sammel ich viele Erfahrungen und sie bringt mich immer ein Stückchen weiter im Leben. – So auch hier.

Ein Kreditinstitut hatte ich gefunden, Vorvertrag war unterschrieben, Anzahlung getätigt und alles war soweit geritzt. – Ist ja auch ne gute Altersvorsorge.

Ein paar Tage lang, war ich dann mit ein paar Leuten im Skiurlaub. Wir waren zu sechst, von denen ich eine Person kannte. Die anderen habe ich dann vor Ort kennen gelernt. Es war ein mega geiler Urlaub, wir wohnten in einer urigen Holzhütte auf einem Berg, kochten jeden Abend zusammen und hatten eine Menge Spaß. 

Zwischendurch brauchte ich ab und zu Ruhe für mich und zog mich alleine aufs Zimmer zurück. Ich fühlte mich so sehr erfüllt durch den Urlaub und  die Menschen mit denen ich die Zeit verbachte. Dabei dachte an die neue Wohnung. Ich sah mich dort drin, auf dem Fußboden sitzend in der Küche und fühlte keine Freude oder Glück. Sondern Traurigkeit. Dabei zweifelte ich an der Entscheidung diese Wohnung noch haben zu wollen. Ich wusste welche Einschränkungen es mit sich bringt und welch ein riesiger Schuldenberg auf mich zukommt. Keine Freiheit mehr zu haben, mal eben weg zu fahren und mich so fest an meine Arbeit zu binden, um den Kredit abzubezahlen.

Das wollte ich nicht. Diese Sicht in die Zukunft hat mich zum unglücklichsten Menschen werden lassen. Gleichzeitig dachte ich, was ich eigentlich brauche im Leben, dass es mir gut geht. Solche Momente wie hier, in Gesellschaft mit tollen Menschen, Freude und Leichtigkeit. Das alles hätte mir diese Wohnung nicht gebracht, sondern genommen.

Nachdem ich wieder zu Hause war, cancelte ich das Ganze und es war ein riesiger Befreiungsschlag. 

Ein paar Monate später zog ich nach Hamburg, um mir den Traum von einer Schauspielausbildung zu erfüllen. Von der eigenen Wohnung in eine WG. Auto verkauft und auf öffentliche Transportmittel und Fahrrad umgestiegen. Von viel Zeugs auf ganz wenige Dinge, die ich wirklich brauche minimiert. Von viel Geld verdienen auf wenig Geld verdienen umgestiegen. Das alles war es mir Wert, hinter mir zu lassen. Einen Neuanfang zu wagen und mich dadurch glücklicher als zuvor werden zu lassen.

Dieser ganze Weg hat mir gezeigt, dass ich mir mein Glück nicht erkaufen kann und dass ich nicht viel brauche. Weniger Zeugs bedeutet für mich viel mehr Freiheit und Leben. Dadurch treffe ich viel bewusstere Entscheidungen, was ich kaufe und was ich wirklich brauche. Klappt noch nicht immer, aber im Gegensatz zu früher um längen besser.

Mir wirklich die Fragen zu stellen, ob ich das jetzt brauche, oder warum ich das haben will, ist wichtig um Entscheidungen zu treffen. Ich weiß dadurch die Sachen viel mehr zu schätzen und hole mir auch mal etwas teureres, was nachhaltig hergestellt wurde und kein Wegwerfprodukt ist.

Erzähl gerne über deine Erfahrungen zum Konsum, in den Kommentaren.

Oder schreib mir auch auf Instagram.

Sei einfach mutig.

Deine Steffi

26.04.20

Foto: kaboompics 

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