Dankbarkeit

Dankbarkeit, der Schlüssel zum Glück

In meinem Leben war ich schon oft sehr dankbar und habe Situationen als etwas besonderes gesehen. Auch wenn es mir manchmal nicht bewusst war.

Eine kurze Geschichte dazu. Es war ein eiskalter Wintermorgen in Hamburg. Schon die letzten Tage und Nächte waren von Minusgraden durchzogen. Ich machte mich auf, aus meinem WG Zimmer in der Schanze. Zu einem Dreh, in Altona, für mein neues Demoband. An der S-Bahn Station kaufte ich mir noch einen Latte Macchiato to go. Auf den ich mich schon den ganzen Morgen freute. Um die Freude noch weiter anhalten zu lassen, nippte ich nur ein kleines bisschen Milchschaum daraus und wollte den Rest am Drehort geniessen. Das war eine kleine Herausforderung für mich aber ich hielt tapfer die zwei Stationen durch. 

Am Bahnhof in Altona, brauchte ich kurz Orientierung, wo ich lang musste. Als ich den richtigen Ausgang fand, kam ich bei zwei Obdachlosen vorbei. Einer schlief noch und der andere bat mich um einen Cent, damit er sich einen Kaffee kaufen könnte. „Mit einem Cent kommst du nicht weit.“, nuschelte ich ein bisschen vor mich hin. Ich dachte an mein Heißgetränk, ob ich es ihm geben sollte. Ich hatte mich doch extra beherrscht nichts zu trinken und mich jetzt so sehr darauf gefreut. „Ou man, jetzt sei nicht so egoistisch, du kannst dir doch jederzeit einen neuen kaufen und dann hast du ihn für diesen Menschen eben nicht getrunken.“ ,dachte ich. „Hier, wenn du magst, kannst du den hier haben, ist noch fast voll.“ – Und hielt ihm den Becher hin.

„Danke, danke, vielen Dank.“ Er nahm den Kaffee an, umfasste ihn mit beiden Händen, schloss seine Augen und genoss es sichtlich. „Oh, tut das gut, etwas Wärme zu spüren.“ Der Obdachlose bedankte sich noch sehr oft dafür, als ob er es gar nicht glauben konnte. Ich gab ihm dazu noch fünf Euro. Seine Freude kannte keine Grenze, das berührte mich sehr. „Ihr seid die waren Helden. Ich würde es wahrscheinlich keine einzige Nacht, bei dieser Kälte auf der Straße aushalten.“ Klang vielleicht ein wenig abgedroschen, aber es war mir irgendwie wichtig ihm mitzuteilen, dass ich ihn wert schätzte. Wir umarmten uns noch kurz, wie selbstverständlich. Dann ging ich mit dem strahlendsten Lächeln weiter zum Dreh. Ich dachte noch kurz darüber nach, ob ich glücklicher wäre, wenn ich meinen Latte Macchiato behalten hätte. Auf gar keinen Fall! Dieser Moment, etwas zu geben, hat mich für den Rest des Tages mit Dankbarkeit und Glück erfüllt.

Nicht nur solche Erlebnisse erinnern mich wieder daran, wie dankbar ich für alles sein kann was ich habe. Ein Dach über den Kopf, ein Bett mit einer weichen Matratze und einer warmen Kuscheldecke. Und oft sage ich mir auch: „Solange ich mir etwas zu essen leisten kann, bin ich reich und der glücklichste Mensch der Welt.“ 

Wie oft stand ich unter der Dusche und war dankbar für sauberes, warmes Wasser. Obwohl manche noch nicht einmal an Trinkwasser kommen. Ja, auch wenn ich einen Schluck Wasser trinke, kommen mir machmal die Tränen, weil ich es nicht für selbstverständlich halte.

Einmal saß ich im Zug und dachte daran, wie einfach ich reisen kann. Einfach mal so in den Zug setzen und meine Familie besuchen, ohne Grenzen oder dass ich Angst haben müsste. Welche Freiheit ich habe, was ich anziehe, mit wem ich mich treffe und welchen Beruf ich ausüben möchte. Für alles bin ich unendlich dankbar.

Morgens wache ich mit Dankbarkeit auf, über mein Leben, welches mir geschenkt wurde und dass ich gesund bin. Für all die Möglichkeiten, die ich an diesem Tag frei wählen darf zu tun. Wenn ich morgens manchmal nicht so gut gelaunt aufwache, dann erinnere ich mich wieder daran und es geht mir gleich besser.

Dankbarkeit ist für mich, der Schlüssel zum Glück. Ich stelle es mir immer wie ein leeres Glas vor. Wenn man unzufrieden ist und alles mögliche haben will, sei es neue Schuhe, eine andere Frisur, ein Auto, Wohnung, etc. Dann ist das Glas ziemlich leer. Wir haben immer das Gefühl, irgendwas fehlt noch zu unserem Glück. Etwas, was die Lücke in uns schliessen sollte, damit es uns endlich gut geht.

Wenn du aber anfängst, für all die Dinge, die du jetzt schon hast, siehst, fühlst, hörst, schmeckst, dankbar zu sein, dann füllt sich dein Glas nach und nach. Du wirst merken, dass du alles bereits hast, was du brauchst, damit es dir gut geht. Selbst wenn du glaubst nichts zu haben, du findest garantiert Dinge, für die du dankbar sein kannst.

Die warmen Sonnenstrahlen auf deiner Haut. Das Haus, in dem du lebst. Danke den Menschen in Gedanken, die die Idee dazu hatten und die es erbaut haben. Das Herz, welches unermüdlich in der Dunkelheit für dich schlägt. Egal ob du lachst, tanzt, weinst oder liebst. Dein Herz schlägt einfach, ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen.

Wenn du anfängst kreativ zu werden, über alles, wofür du dankbar sein kannst, dann stellt sich ein gutes Gefühl ein. Du wirst merken, was dir wirklich wichtig im Leben ist und was du überhaupt brauchst, um glücklich zu sein. Das wird bestimmt nicht die nächste teure Uhr sein oder ein neues Möbelstück. – Versteh mich nicht falsch. Natürlich können solche Dinge auch glücklich machen, wenn man sie wertschätzt. 

Und natürlich darf es auch mal Tage geben, an denen alles Kacke ist und du nichts von Dankbarkeit hören willst. Alles ist gut. Alles darf sein. Kotz dich aus. Suhl dich in deiner Scheiße und dann steh auf und geh weiter.

Ich glaube, dass wir uns immer noch mit Dankbarkeit nähren können, auch wenn wir glauben nichts zu haben. Ob tagsüber sich selbst immer wieder aufzuzählen, morgens oder abends in einem kleinen Büchlein seine Dankbarkeit festzuhalten. Probiere es aus und du wirst sehen, deine Welt und wie du sie siehst wird sich verändern. Auf einmal bist du reicher als du denkst.

Wofür bist du dankbar? Schreib es in die Kommentare.

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Sei einfach mutig.

Deine Steffi

03.05.20

Foto: Matheus Bertelli

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